Walter T. Casanovas Nachlass

Als selbständiger Bildhauer, aber auch als unermüdlicher Gehilfe des renommierten Zürcher Plastikers Otto Münch (1885-1965), für dessen Werke er jahrzehntelang die Steinhauerarbeiten ausführte, ist Walter Thomas Casanova (1918-1999) durchaus bekannt. Hingegen blieb das zeichnerische und malerische Schaffen, das der Künstler in der Abgeschiedenheit seines Böcklinateliers in Zürich seit den frühen sechziger Jahren in eruptiver Schüben hervorbrachte, völlig unbekannt. Eine erste, grobe Sichtung des Nachlasses förderte ungezählte Malereien und Arbeiten auf Papier zu Tage, welche in ihrer gestischen Unmittelbarkeit, in der farbigen Forschheit sowie in ihrer Emotionalität absolut erstaunlich sind. Unbemerkt von der Öffentlichkeit brachte Walter T. Casanova mit obsessiver Beharrlichkeit eine expressive, gegenständliche Kunst zu einer Zeit hervor, als die figurative Malerei kaum mehr etwas galt oder: Sozusagen eine Malerei der neuen Gegenständlichkeit <<avant la lettre>>, wenn man Georg Baselitz oder an die Malerei der Jungen Wilden denkt.

Text von Dr. Beat Stutzer, Direktor Bündner Kunstmuseum


Geschichte der Sammlung

Zu Beginn 2000 wurde durch die Erben und einige Hilfskräfte ein Teil des Ateliers geräumt, um Platz zu schaffen für die Sichtung des Nachlasses.  Diese wurde durch Sandi Paucic, Paola von Wyss-Giacosa (beide Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft, SIK) und Adrian Hossli (Künstler, Lehrer, zeitweise Ateliernachbar von Walter Casanova) durchgeführt.

Das Ausmass Casanovas umfangreichen Nachlasses umfasst gegen 400 Bilder in verschiedenen Mischtechniken, 500 Arbeiten auf Papier und Karton, 100 bis 200  Gips-, Bronze-, Ton- und Steinskulpturen, neben Skizzen- und Tagebüchern, weit über 100 8mm-Filme, 1000 Fotos, Polaroids, Dias und Negative, eine reichhaltige Bibliothek, Schallplatten, Fotoapparate, Filmprojektoren, Tonbandkassetten, Grabstein- und Denkmalentwürfe. 

Eine erste provisorische Katalogisierung wurde von Luca Santocono (Università della Svizzera italiana, Lugano) Anfangs 2010 vorgenommen. Ausserdem folgte, im Rahmen einer Master Schlussarbeit, die Digitalisierung von Walter T. Casanovas zeichnerisches und malerisches Schaffen. Diese Werke sind in der Sammlung Online virtuel zugänglich.